Am 11. Juli 2025 wurde im Museum und Landgut „Jasnaja Poljana“ die Ausstellung „Leo Tolstoi. Herr und Knecht“ eröffnet.  Zum ersten Mal ist die Getreidedarre zum Ausstellungsraum geworden.

In Jasnaja Poljana gab es immer viele landwirtschaftliche Gebäude aus Holz. Wie sich die Bauern erinnerten, hat man in der Getreidedarre zu Tolstois Zeiten Heu und Stroh gelagert und möglicherweise Getreide gedroschen. Dieses Gebäude wird in Tolstois Werken erwähnt: der Schriftsteller nutzte dieses Gebäude als Hintergrund für Lewins Überlegungen in „Anna Karenina“.

Die neue Ausstellung erzählt von der Entwicklung des Landgutes Jasnaja Poljana, über landwirtschaftliche Aktivitäten Tolstois und über sein Interesse für die Bauernarbeit.

Tolstois älteste Tochter Tatjana Lwowna schrieb: „Die Liebe meines Vaters zum Land und sein Respekt vor der Arbeit auf dem Land waren nicht nur prinzipiell, sondern organisch. Vor seinem sogenannten inneren Umbruch beschäftigte sich mein Vater mit der Landwirtschaft und verbesserte jeden ihrer Bereiche, soweit es ging. Mit der Bauernarbeit war er immer eng verbunden und beteiligte sich oft daran.“

Die Ausstellung umfasst vier thematische Abschnitte: „Von meinen Vorfahren geerbt“, „Herr und Knecht“, „Die Welt des russischen Dorfes und ihre Reflexion in Tolstois Werken“ und „Die Gutsverwaltung von Sofija Tolstaja“. Ausgestellt sind Kleidungsstücke und Schuhe, die Bauern der Tulaer Provinz im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert trugen. Unter den Ausstellungsgegenständen kann man auch landwirtschaftliche Geräte der damaligen Zeit sehen: einen Pflug, eine Egge, einen Dreschflegel, eine Sense und andere. Ein Bauernwagen, Schlitten und Pferdegeschirr (Krummholz, Kummet und Zaumzeug) veranschaulichen Tolstois Leidenschaft für Pferde.

Durch Fotos von Gutsbesitzern, Abbildungen zu Tolstois Werken und Archivdokumente (Gutspläne und ‑beschreibungen, Rechtsdokumente) können die Besucher dieser Ausstellung mehr über die „landwirtschaftliche“ Geschichte von Jasnaja Poljana erfahren.

Man kann hier auch über die Arbeit eines Gutsverwalters erfahren. Dazu dienen solche Ausstellungsgegenstände wie ein Holzrechenbrett, Papiergeld und Münzen aus dem frühen 20. Jahrhundert sowie ein Schreibtisch mit Fächern für Unterlagen, Rechnungen und Briefe.

Von besonderem Interesse sind archäologische Gegenstände aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, die auf dem Landgut gefunden wurden: Kruzifixe, Münzen, Ringe, Fragmente von Fliesen und Tonwaren.