Staatliches Leo Tolstois Gut zu Jasnaja Poljana
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Die Familie Tolstoi in Jasnaja Poljana. Leo Tolstois Leben und Werk auf dem Landgut

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Gleich nach der Hochzeit hat sich das frisch vermählte Ehepaar Tolstoi in Jasnaja Poljana niedergelassen. Nikolai I. Tolstoi baute das große Herrenhaus 1824 fertig und erweiterte seine Ländereien durch die lukrative Heirat. Er kaufte seinen Familiensitz Nikolskoje-Viasemskoje auf, der verpfändet gewesen war, und erwarb das reiche Landgut Pirogovo, um es dann an seine Kinder zu vererben. Frau Maria Tolstoi, geb. Prinzessin Volkonski, lebte zurückgezogen und widmete sich den geistigen Tätigkeiten.

Sie scheint streng gläubig gewesen zu sein und ihre Familie als Gottessegen empfunden zu haben: Für die damalige Zeit war sie nicht mehr die Jüngste, als sie mit 31 den Grafen Tolstoi heiratete. Aber die Ehe war sehr glücklich. Daraus entstanden fünf Kinder: die Söhne Nikolai, Sergej, Dmitrij und Leo sowie die Tochter Maria. Maria Volkonski starb 1830, nach der Geburt ihrer Tochter, als Leo, ihr jüngster Sohn, noch nicht zwei Jahre alt war.


Er konnte sich demnach nicht des geliebten Angesichts erinnern, jenes Angesichts mit dem strahlenden Lächeln, das Freude um sich verbreitete... Kein Bildnis von ihr hat sich erhalten, aber ein inneres begleitete ihn wie ein Schutzengel sein Leben lang. Daher liebte und pflegte Tolstoi gern den niederen, so genannten englischen Landschaftspark, mit dem Sommerhausturm und der Orangerie, der ihn liebevoll an seine Mutter erinnerte.

Дом ВолконскогоLeo Tolstois Kindheit verlief in einem großen patriarchalischen Zuhause, mit Geschwistern als Spielgefährten. In der Villa zu Jasnaja Poljana gab es ein Kinderzimmer, ein Klassenzimmer, ein Speisezimmer, ein Klavierzimmer, einen Salon, ein großes und ein kleines Wohnzimmer. Insgesamt waren es 40 Zimmer. Das Familienleben floss gemessen vor sich hin, wie es die russische Adelstradition vorschrieb.

Trotzdem hat Leo Tolstoi seine Eltern kaum gekannt. Als er neun Jahre alt war, verstarb mit nur 43 Jahren sein Vater, Graf Nikolai Tolstoi. So wurden die wohlhabenden Schwestern des Vaters, zunächst Alexandra Osten-Sacken, die auch in Jasnaja Polajna lebte; und dann, nach ihrem Tod 1841, Pelagia Juschkov aus Kasan an der Wolga, die Vormünder der Kinder. Die zweite Tante war mit dem Kasaner Landbesitzer verheiratet und konnte die Neffen und die Nichte bei sich aufnehmen.

Von 1844 bis 1847 studierte Leo Tolstoi an der Kasaner Universität zuerst Orientalistik an der philosophischen Fakultät und dann Jura . Bei der Teilung des Familienbesitzes wurde ihm das Landgut Jasnaja Poljana zugesprochen. 1847 beschloss er, in Jasnaja Poljana zu leben, um sich dort „einem umfangreichen Programm der Selbsterziehung und Selbstbewährung" zu unterziehen. So wie die Hauptfigur seiner Erzählung „Morgen eines Gutsherrn", Dmitri Nekhludov, sehnte sich der 19-jährige Leo Tolstoi nach dem „Landleben", wo er sich geborgen fühlte.

Aber bereits bei den ersten Wirtschaftsaktivitäten hatte der junge Tolstoi Pech. Die Bauern aus dem Dorf wollten seine „Landlebensbegeisterung" nicht akzeptieren. Darauf fasst er den Entschluss, in den Kaukasus zu gehen, wo er 1852 als Kadett in die Armee aufgenommen wurde.

stoneBis 1857 lebte er weit weg von Jasnaja Poljana. Die Wirtschaft entwickelte sich allmählich. Sein Bruder Dmitri berichtete ihm von seinem Besuch in Jasnaja Poljana: „Im Mai kehrte ich auf dem Weg nach Moskau in Jasnaja Poljana ein. Ich kam zum Nebengebäude und ging von dort aus um den Garten und die Plantage herum, wo alles blühte. Es hat mir so einen großen Spaß gemacht, dass ich es bis Moskau genoss. Auf dem Rückweg kehrte ich wieder in Jasnaja Poljana ein und schmeckte Birnen, die es bei Dir in diesem Jahr eine Menge gibt."

Aber der Gutsherr war weg, und das Gutsbild hatte sich verändert: Das erhabene Bauensemble des Fürsten Volkonski verlor seinen Glanz, weil die große Villa im Empirestil verkauft wurde. Der Verkaufsgrund war Leo Tolstois Geldmangel, weil er im Krimkrieg 1853 – 1856 ein Soldatenmagazin drucken wollte. Aber Tolstoi verlor das Geld, weil die russische Regierung der Herausgabe nicht zustimmte. Seine Villa war nun 40 Werst in das Dorf Dolgoje verlagert worden, wurde baufällig und 1913 ganz abgerissen. Jetzt liegt hier im Park zu Jasnaja Poljana ein Gedenkstein, wo früher das Geburtshaus Leo Tolstois stand.

Im Dezember 1897 notierte Leo Tolstoi in seinem Tagebuch: „Am 4.... reiste ich ins Dorf Dolgoje. Der Anblick des in sich gefallenen Hauses hat mich rührselig gemacht." Die „wunderbare, unschuldsvolle, poetische und fröhliche Zeit" der Kindheit in der großen Villa zu Jasnaja Poljana lebt aber in seiner Trilogie „Kindheit. Knabenalter. Jünglingsjahre" weiter.

In den späten 1850-er Jahren quittierte Leo Tolstoi seinen Militärdienst und kehrte nach Jasnaja Poljana zurück. Allerdings hielt er es wieder nicht lange aus und verreiste oft nach St.-Petersburg und Moskau. In Jasnaja Poljana schlug er sein Domizil in einem von zwei Nebengebäuden auf, das nun für ihn und später auch seine eigene Familie über 50 Jahre hinweg ein Zuhause bleiben sollte. Mit umgezogen hatte er auch seine alten Möbel, Bücher, die Urgroßvatersspiegel aus dem 18. Jahrhundert und die Familienporträts. Heute ist das Tolstoi-Haus zu Jasnaja Poljana weltbekannt.

Inzwischen war die Moderne auch in Russland angebrochen und das gemessene Landleben wird zur Vergangenheit. Leo Tolstoi unternahm zwei Auslandsreisen, die auch sein Jasnaja Poljana beeinflusst haben, sei es durch seine neuen Ideen und kreativen Wirtschaftsprojekte, oder durch sein schriftstellerisches Werk. In seinem Dorf unternahm er Reformen. Eine seiner besten Ideen war die Einrichtung einer Grundschule für die Dorfkinder zu Jasnaja Poljana, die 1859 in einem zweiten Nebengebäude untergebracht war: Die Tolstois nannten es „Ein weiteres Wohnhaus", bzw. das „Kuzminski-Nebengebäude". Tolstois Schulpädagogik war bahnbrechend, weil ihr die freie Kinderentwicklung zu Grunde lag.

Am 23. September 1862 heiratete Leo Tolstoi die Tochter des Moskauer Kremlarztes Sofia A. Behrs. Das frisch vermählte Paar lebte ausschließlich in Jasnaja Poljana, was der kleinen Gräfin zunächst sehr schwer fiel. Mit der Zeit hatte sie sich allerdings eingelebt und hielt bald alle Fäden in der Hand. Das Haus wurde gemütlicher und freundlicher. Außen wurde es von hübschen Rabatten verziert.

Tolstoi träumte davon, ein idealer Gutsbesitzer zu werden. Er erweiterte den alten Obstgarten seines Großvaters. Er vergrößerte die Gesamtfläche der Obstgärten um das Vierfache, und sie erreichte mehr als 40 ha. Außerdem legte er fünf neue Gärten an: den Roten, den Neuen, den Alten, sowie die Gärten um das Volkonski-Haus und um den großen Teich herum.

СадыJedes Frühjahr bewunderten die Tolstois ihre blühenden Gärten. Sofia Tolstoi notierte in ihrem Tagebuch: „Die Apfelbäume blühen wunderbar. Es gibt etwas Märchenhaftes, Unglaubliches an dieser Blüte. Ich habe noch nie so was erlebt. Man braucht nur zum Fenster hinauszublicken und wird von dieser himmlischen weißen Blumenwolke umgeworfen, die in der Luft hängt und wo die rosafarbenen Punkte vor einem weiten grünen Hintergrund durchblicken."

Die Gärten lieferten einen stabilen Ertrag. Sie wurden permanent verpachtet, mit 2000– 5000 Rubel Jahrespacht, wobei sich die Tolstois einen Ernteteil vertraglich vorbehielten.

Noch wichtiger war für die Familie der Waldanbau. Vorher bestanden die Forste größtenteils aus den Resten eines ehemaligen uralten Waldes. Deshalb klingen die Namen deren einzelnen Abschnitte immer noch seltsam: Tschepizh, Alter Wald, Arkov Schlucht u.a.. Durch Tolstois forstwirtschaftliche Aktivität wurden die alten Waldabschnitte von Jasnaja Poljana erweitert. Die neuen Waldanpflanzungen verfeinerten nicht nur das Landgutsbild, sondern wurden auch praktisch genutzt, indem sie die erosionsgeschädigten Hänge der Schluchten befestigten. Da die Böden zu Jasnaja Poljana sehr nährstoffarm sind, ist es sehr sinnvoll, hier Wald anzupflanzen. Die Gesamtfläche der Forste zu Jasnaja Poljana ist nun extrem groß und beträgt 254 ha.

ЛошадиDie Pferdezucht machte Tolstoi auch sehr viel Spaß. Wie auf jedem Landgut, wurden in Jasnaja Poljana Pferde gehalten, sowohl für die Arbeit als auch zum Reiten. In den frühen 1870er Jahren kaufte Tolstoi die Grundstücke bei Samara an der Wolga auf, um dort, wie sein älterer Sohn Sergej berichtet, „die Steppenpferde und Schafe zu züchten." Tolstoi hatte sogar vor, seine eigene Pferderasse zu züchten, indem er reinrassige englische Traber mit den Steppen-Rennpferden kreuzte. Das Gestüt zählte in seiner besten Zeit 4000 Pferde, aber in der Zeit der Hungersnot fiel die Großzahl der Tiere Hunger und Krankheiten zum Opfer. Wie Sergej Tolstoi berichtet, „hat sich in den 1880er Jahren das Gesamtunternehmen komplett aufgelöst." In den letzten Lebensjahren Tolstois konnte man noch den letzten Nachwuchs der Pferde, die er aus Samara mitgebracht hatte, auf Jasnaja Poljana finden. 1897 waren aus Samara die Pferdezüchter aus den baschkirischen Steppen gekommen, die die Stuten melkten und aus der Stutenmilch das Milchgetränk Kumis zubereiteten.

Seit den 1860er Jahren hat sich das Tolstoi-Haus zu Jasnaja Poljana sehr verändert. Während die Zimmer aus dem Volkonski-Grundriss im Tolstoi-Haus fast unberührt blieben, wurden dazu noch weitere Räume angebaut. Das Haus wuchs mit der Familie. Aus der Ehe mit Sophia Behrs entstanden 13 Kinder. In der früheren Kindheit sind fünf von ihnen gestorben. Das Erwachsenenalter haben fünf Söhne (Sergej, Ilias, Leo, Andrej, Mikhail) und drei Töchter (Tatiana, Maria und Alexandra) erreicht.

1881 kauften sich die Tolstois ein Haus in Moskau, weil die Kinder groß wurden. Die älteren Söhne sollten studieren, und die Töchter in die Gesellschaft eingeführt werden. Von nun an verbrachte die Familie die Winter in Moskau. Das Städteleben war Tolstoi lästig, weil er sich nach „der Dorfluft" sehnte. Sobald das Frühjahr anbrach, reiste er nach Jasnaja Poljana, das ihn so gut atmen und arbeiten ließ. In seinen letzten Lebensjahren verreiste Tolstoi nicht mehr nach Moskau, sondern blieb auch über Winter in Jasnaja Poljana, wo er Ruhe und Abgeschiedenheit genoss.

Aber zu diesem Zeitpunkt gehörte ihm Jasnaja Poljana schon nicht mehr. Nach seinem geistigen Umbruch gab er im Jahr 1892 sein Eigentum auf und verteilte es unter seinen Familienangehörigen. Jasnaja Poljana hatte er an seine Frau Sophia und ihren jüngsten Sohn Ivan vererbt, der 1895 im Alter von sieben Jahren an Scharlach starb.

Leo Tolstois Lebensabend war trostlos. Die Zwietracht zwischen den Eheleuten machte die Atmosphäre in der Familie zu einem Alptraum. Am 28. Oktober 1910 hat Tolstoi sein Jasnaja Poljana für immer verlassen. Auf der Flucht war er verstorben. Am 9. November 1910 wurde seine Leiche mit einem großen Trauerzug nach Jasnaja Poljana überführt. Tolstoi wurde nach seinem Wunsch am Rande der Schlucht im Alten Wald bestattet.
 
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