Staatliches Leo Tolstois Gut zu Jasnaja Poljana
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„Ich kann nicht schweigen !“ oder zur Abschaffung von Todesstrafen


46_2227-118-365-300-80Jedes Jahr jeweils zum 10. Oktober wird europaweit dem Kampfe gegen die Todesstrafe Tribut gezollt. Ist die denkwürdige Entstehungstatsache vom Jahr 2003 der weltweit anerkannten Initiative gegen die Todesstrafe zu verdanken, so arbeitet dieselbe auf die Abschaffung von Todesstrafen hinaus und gilt all den Ländern, wo dieselben noch zutreffen.

Erfreulicherweise hat der bemerkenswerte Kampf gegen Todesstrafen bisher keine Einbußen zu verzeichnen. Im angehenden XX. Jh. und ganz offensichtlich nach der ersten bürgerlichen Revolution 1905 wurde für weitgehende Protestaktionen gesorgt, solange russlandweit die Todesstrafen noch an der Tagesordnung waren. Auch im Jahr 1908, erschüttert durch zahlreiche in Exekution geführte Todesurteile, ließ Leo Tolstoi seinen bewegenden Protestaufsatz „Ich kann nicht schweigen !" (s. darunter auf Russisch !) entstehen, der seitdem allgemein als plausible Begründung gegen Todesstrafenverhängung gilt.



• Zum Artikelanlass nahm sich Leo Tolstoi eine Zeitungsanzeige zur Strangulation von zwanzig Bauern, die er erst am 10. Mai 1908 durch die beiden Zeitungen wie „Russlandbote" (rus. „Русские ведомости") und dann noch am 11. Mai 1908 die „Russenheimat" (rus. „Русь") in Augenschein genommen hatte. So war da auch wörtlich zu lesen: „Zum 08. Mai 1908 in der ukrainischen Stadt Cherson. Heute auf dem Schießgelände wurden zwanzig Landbauern am Galgen hingerichtet. Ihr Todesurteil entstand durch deren Plünderung eines Gutsbesitzes aus dem Umkreis der Ukraine-Stadt Elisabethgrad."

• Tief entrüstet ließ Leo Tolstoi daraufhin seine flammende Rede am handlichen Edisons Phonographen wie folgt aufzeichnen: „Es ist schlicht unfassbar ! Dadurch werden jeglicher Lebenssinn unterminiert und jeder Anflug von Sittlichkeit in Frage gestellt ! Dies sei auf gar keinen Fall zu tolerieren ! Tagaus tagein gehen hier unzählige Todesurteile in Erfüllung. Sind es heutzutage nur noch fünf, so wären da morgen sieben oder noch mehr Todesstrafen unbedenklich zu erwägen, wie gerade erst zwanzig Knechte gehängt und zwanzig Seelen gnadenlos ausgelöscht worden sind, um das russische Abgeordnetenhaus ungestört über anscheinend wichtigere Fragestellungen wie finnische Landesprovinzen, bzw. seinen auswärtigen Königsbesuch, beraten zu lassen."

Von starker Aufregung vom Vorgang abgebracht und wie es auch in den betreffenden Memoirenanmerkungen des dichterischen Schriftführers Nikolaus Gussev bekräftigt wird, konnte Leo Tolstoi kaum noch weiter in den Phonographen diktieren. Dessen ungeachtet hatte er am nächsten Tag doch noch seinen ausgesprochen polemischen Aufsatzentwurf erbringen können, der in der Folge noch unter der Parole „Ich kann nicht schweigen !" als ausdrückliche Befürwortung einer Todesstrafenabschaffung um die Welt ging.

In sein Tagebuch vom 14. Mai 1908 schrieb er hierzu: „Gestern, zum 13. Mai, brachte ich meinen Appell, die Anprangerung, oder sonst noch was hervor, indem die Todesstrafentatsache als unsittlich in Frage gestellt wird. Dies mache ich allein aus dem Grunde ja, weil ich es dringend vonnöten finde."

Sein Initialentwurf enthielt erst keinen Titel, wies aber von Anfang an seinen klaren Leitgedanken auf. Bei seiner im Nachhinein noch entstandenen erweiterten Edition wurden aber nicht nur der Inhalt, sondern sein kompositorischer Aufbau auch noch revidiert.

Wurden dabei erst viele prominente Politikernamen angesagt, wie z. B. „Peter Stolipin, der seinen unsittlichen, sinnlosen, zuweilen makaberen, dennoch wohl bewussten Sentenzen zum finnischen Landbesitz des Russlandsreiches freien Lauf lässt, bzw. werden da die Herren Alexander Gutschkov und Paul Miliukov zum gegenseitigen Duell angespornt, und Seine Majestät als viel umstrittener und brutaler Sprössling der Romanov-Dynastie als Russlandzar Nikolaus II. auch so dargestellt, der sich gern eine nur für ihn bestellte Kosakenrotte vor Augen marschieren lässt, nur um sich bei derselben zu bedanken," so sind im Nachhinein die von Tolstoi überkritisch unter die Lupe genommenen Wesenszüge der o.a. Personen entschärft oder gar weggelassen worden.

Im Großen und Ganzen hatte also Leo Tolstoi an seinem vorliegenden (s. oben in Russisch !) Aufsatz „Ich kann nicht schweigen !" vom 13. Mai bis zum 15. Juni 1908 gewirkt. Eine seiner Fassungen war bereits zum 01. Juni 2018 an seinen sich im Ausland verweilenden Angehörigen und Verleger Vladimir Tschertkov übermittelt und die erwünschte Drucklegung von demselben auch am 09. Juni 1908 gern bestätigt worden, der zufolge derselbe noch um einige Kleinkorrekturen gebeten hatte, die am gleichen Tag noch vorgenommen und flugs telegrafisch von Tolstoi haben rückbestätigt werden können: „Wurde auf alle  vorgegebenen Änderungen  sofort eingegangen, so steht nun unserem o.a. Vorhaben nichts mehr im Wege, um in die Öffentlichkeit gebracht zu werden."

• So wurde also der berühmte Tolstois Todesstrafen anprangernde Appell „Ich kann nicht schweigen !" am 02. Juli 1908 im russischen, jedoch nach auswärts versetzten Verlag von Vladimir Tschertkov veröffentlicht, um kurz darauf noch dessen ausgewählten, bzw. unter Mitwirkung der durchaus heimatlichen Zeitungen wie„Russlandbote" und „Russenheimat", sowie „Sprachkunst" und „Neuzeitliche Sprachkunst" gesicherten, Auszüge erscheinen zu lassen. Dennoch gleich hinterher hatten alle o.a. dichtkünstlerischen Zeitungsredaktionen ihr eigenes Bußgeld trotzdem noch zahlen müssen.

• Vom 10. bis zum 17. Juli 1908 erschien der o.a. Tolstois Aufsatz als eigenständige Einzelausgabe in St.-Petersburg, wobei auch dessen lettischsprachige Übersetzung nicht zu kurz kam.

• Und im August 1908 wurde der o.a. Aufsatz "Ich kann nicht schweigen !" zwar als illegale und von Zensur untersagte, dennoch völlig authentische Einzelausgabe direkt vor Ort in Tula gedruckt.

• Im gleichen Jahr 1908 erfuhr der o.a. Tolstois Publizistikbeitrag seine noch weitere Auflage durch den Berliner Verlag von Iwan Lodizhnikov, welche mit einem bemerkenswerten und nachfolgend noch angeführten Vorwort versehen wurde: „Die von uns allen bewunderte Tolstois Glanzleistung erfreut sich an zahlreichen, bzw. durch fast alle fortgeschrittenen Länder zum 15. Juli 1908 gesicherten, Veröffentlichungen, um für weitgehendes Ansehen zu sorgen, ohne durch Tolstois sagenumwobene Ablehnung gegenüber der russischen Befreiungsbewegung klein bisschen gestört zu werden. Nun liegt das denkwürdige und Tolstois dichtkünstlerische Einzigartigkeit darbietende Meisterwerk auch Ihnen vor."

 
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