Staatliches Leo Tolstois Gut zu Jasnaja Poljana
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Novemberzeitliche Wintervorboten


kosulya

Im November trifft Morgengrauen auf Dämmerung zu

Ein naturkundlicher Bericht von Andreas Dejev

Von Tag zu Tag lässt sich der Sonnenschein immer seltener blicken, sodass man den heranrückenden Wintereinbruch zwangsläufig zu spüren bekommt. Und der Volksmund meint dazu: „Im November findet ein Zweikampf zwischen Winter und Herbst statt". Zur Zeit trifft es fast wortwörtlich zu. War der novemberliche Monatsanfang durch ein ausgesprochenes spätherbstliches Wetter gekennzeichnet, so ist zum Monatsende ein Winteranfang angesagt. Fielen erst ein Dauerregen und unpassierbar gewordene Wege ins Auge, so machen bereits die ersten Schneeflocken auf sich aufmerksam. Traten sie erst in Erscheinung, um fast gleichzeitig wegzutauen, wird nun mit dem zunehmenden Frost der ganze Erdboden davon bedeckt. Um mehr Fotos aus unserem spätherbstlichen Naturschutzgebiet zu sehen, klicken sie hier>>>

Wird die vorwinterliche Wetterlage noch mehrmals umschlagen, jedoch dauert es nicht mehr lange, dass sich eine stabile Schneedecke herausbildet. Und auf dieses Jahr 2017 trat sie bereits ab dem 20. November in Erscheinung. Hatten noch übers Wochenende vereinzelte Schneeflocken herumgeflattert, wurden sie zum Sonntagabend auf einmal vom Frost gefangen, um über Nacht eine beachtliche Schneedecke entstehen zu lassen. Hat die Welt erst zum Wochenanfang wie ein unbeschriebenes Blatt ausgeschaut, so ist nun daraus ein weißes Gewand nicht mehr wegzudenken.

Durch den frisch gefallenen Schnee kam der sonst tief verborgene Alltag unserer Naturschutzgebietseinwohner klar zum Vorschein. Ist die auf den Fluss Voronka (dt. „Trichter") zulaufende Schiefe Lichtung durch einen Waldpfad durchsetzt, so steht es fest, dass er von einer Elchfamilie gerne benutzt wird, die auf diesem Wege den benachbarten Alten Garten aufzusuchen pflegt. Ihre auf einer ungerührten Schneedecke ins Auge stechenden Spuren geben klar zu verstehen, dass den Elchen nicht nur der junge Apfelbaumunterwuchs schmeckt, sondern dass sie auch die von den Obstbäumen herabgefallenen Früchte gerne fressen. Jeden Abend schleichen sie in den Alten Garten, um erst beim Morgengrauen im unpassierbaren Dickicht der Arkov-Schlucht wieder zu verschwinden und zu Kräften zu kommen, bevor sie in der Abenddämmerung den Wald erneut bemächtigen.

Von Unruhe werden auch die Rehe getrieben. Deren freie Bewegung in unserem Naturschutzgebiet erweist sich als völlig ungehindert. So kommen deren Spuren fast auf dem gesamten naturverbundenen Tolstois Areal, bis auf seinen altertümlichen mittleren Teil, zum Vorschein. Leider machen dabei noch die Jagdspuren ihrer lästigen Hundeverfolger auf sich aufmerksam. Letztes Jahr, im Spätherbst, habe ich persönlich eine durch die dem Tolstois Umland entstammende Meute veranlasste Hundejagd mitverfolgt. Alle fünf Hetzer waren sich ihrer Zielsetzung vollkommen bewusst. Zwei Kleinere waren Treiber, von denen der Eine eine besonders abstoßende Stimme besaß. Sie verfolgten den armen Hirschen, traten ihm genau in die Spuren und machten sich erst ab und zu durch ihr kurzes Gewinsel erkennbar. Drei Weitere in beachtlicheren Größen waren hingegen kaum auf die Spurenverfolgung bedacht, sodass sie sofort und ganz unabhängig von den Treibern losschossen, um so auf einer Geraden den aufgeschrockenen Flüchtling abzufangen. Zum Glück für den Hirschen kam ihnen meine Wenigkeit mitten in der Jagd völlig ungelegen in die Quere. Sobald ich die Meute und das davon getriebene Rehe in Augenmerk nahm, trat ich den Hunden entgegen, schrie sie lauthals an und ließ meine Arme selbstsicher ihnen entgegen schwingen. Meine Tatkraft versetzte sie in Verlegenheit. Sie machten Halt, taten sich wieder zusammen, drehten sich um und zogen sich in den gerade erst von ihnen verlassenen Wald, auf ihren eigenen früheren Spuren, wieder zurück. Diesmal war noch der Hirsch gut davonkommen. Leider hat man hier nicht immer so viel Glück.

Jedoch für die bevorstehende längere Winterzeit ist der fleißige Biber gegen Raubtiere gut ausgerüstet. Angesichts seiner durch Frost verhinderten Schwimmfertigkeit genießt er sein Höhlenleben in vollen Zügen. Und bei den knappen Tauwetterpausen, bzw. wenn unser hiesiges Flüsschen Voronka aufbricht, kriecht er zu den küstengelegenen Weidensträuchern hervor, um feine Zweige zu schmecken. Kein Wunder, denn in der Sommerzeit wieder zu Kräften gekommen ist er nun stark genug, um feindliche Angriffe abzuwehren. Seine beachtliche Körpergröße und kräftige Schneidezähne ermöglichen es ihm, einen sicheren Widerstand nicht nur einem Fuchs, sondern selbst einem größeren Hund entgegen zu leisten. Und in den seltensten Fällen, wenn sein Abwehrvermögen beeinträchtigt wird, findet er jederzeit seine begehrte Zuflucht in rettenden Gewässern wieder.

Geben dem Einen scharfe Schneidezähne und Wasser Schutz, stehen dem Anderen starke Läuferbeine zur Verfügung, und die Vögel verlassen sich auf ihre Flügel. Durch nur einen kurzen Schwung brauchen sie keine terrestrischen Verfolger mehr zu fürchten. Leider haben wir zur Zeit nur ganz wenige überwinternde Vögel bei uns, an denen wir an den kurzen Novembertagen viel Freude finden. Zum Monatsanfang ließen sich hier noch Meisen, Trauermeisen, Blaumeisen, Kleiber und Spechte blicken. Regelrecht zur Schar vereinigt, durchwandern sie auf ihrer Futtersuche unseren Waldrand. Als Anführer hebt sich dabei der Specht heraus, der durch seinen Meißelschnabel größere Rindenstücke abzubrocken weiß, um von den sich darunter versteckenden Insekten und ihre Maden Gebrauch zu machen. Durch nur einige Stöße fallen vom dürren Ast immer mehr Rindenbrocken ab. Pickt der Specht alle gleich auf dem Baumholz entdeckten Insekten ab, so finden am übrig gebliebenen, bzw. auf den verschneiten Waldboden herabgefallenen, Rindenrest noch die Meisen Gefallen.

Ganz anders verhält sich eine weitere, bzw. aus Goldhähnchen und Schwanzmeisen bestehende, gefiederte Wandergruppe. Durch ihr ausgesprochen feines Piepsen lassen sie sich am Fichtenwaldrand erkennen. Von Hast getrieben, durchsuchen sie jedes Baumblatt und jede Fichtennadel, um da von Insekten, deren Eiern und Maden Gebrauch zu machen. Es sei betont, dass ganz gegensätzlich zu den anderen Meisen- und Kleiberarten die beiden o.a. Goldhähnchen und Schwanzmeisen gar kein Vergnügen an pflanzlichen Sämereien finden, wobei leider unsere speziell dazu eingerichteten Futterhäuschen von ihnen unbeachtet bleiben.

Nicht ohne Weiteres gelingt es einem Naturforscher, den Waldbaumläufer ins Auge zu fassen. Steht der Vogel in seiner Körpergröße kaum doch dem Spatzen nach, bzw. besitzt er eine fast gleiche farbenfrohe und eigenartige Färbung, so braucht er nur einen kurzen Augeblick bewegungslos zu verharren, um dann schon so gut wie unmöglich von seiner zu bewandernden Baumrinde auseinandergehalten zu werden. Jedoch auf eine unübersehbare Weise und ganz gegensetzlich zum den Baumstamm Kopf hinab durchsuchenden Kleiber pflegt derselbe doch seine o.a. Holzroute lieber von unten nach oben, bzw. im spiralförmigen Fortgang, einzuschlagen.

Ab Mitte November genießen wir die Präsenz der nordländischen Neuankömmlinge wie Gimpel und Seidenschwänze. Besonders zahlreich werden ihre Scharen erst dann, wenn es sich eine besonders erträgliche Jahresernte an Eberesche und Hagedorn ergeben hätte, an denen sie sich erfreuen mögen. Dabei wird ihnen auch noch durch Wachholderdrossel Folge geleistet.

Jedoch hält schon gegen Ende November der Winter seinen unverkennbaren Einzug. Die Gutsteiche und unser Waldflüsschen Voronka werden ins Eis geschlagen, und die Forste, Wiesen und Waldseen stehen völlig zugeschneit. So hartnäckig auch der Winter um sein Einzugsanrecht gerungen hätte, so tritt er nun als selbstherrlicher Herrscher rechtmäßig in Kraft.

Ein Bericht von Andreas Dejev
 
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