Staatliches Leo Tolstois Gut zu Jasnaja Poljana
  • krokus.jpg
  • kucherskaya.jpg
  • midpond.jpg
  • pond_eng.JPG
  • pond_eng2.jpg
  • veranda.jpg
Государственный мемориальный и природный заповедник «Музей-усадьба Л.Н. Толстого «Ясная Поляна»
In der Stoffkollektion der offenen Sammlung hebt sich besonders die Bauernkleidung hervor, die den früheren Dorfanwohnern von Jasnaja Poljana gehörte. Uns liegt ein Raritätsfoto vor, auf dem drei Frauen festgehalten sind: das sind Axinia Basikina, ihre Tochter und ihre Enkelin - dadurch kann man sich sehr wohl unsere Museumskleider in ihrer volkstümlichen Umgebung vorstellen. Auf diesem Foto hat Axinias Tochter, Frau Lukeria Jermilovna, eine traditionelle Tracht von Jasnaja Poljana an. Das sind Hemd, Rock und Schürze. So verfügen wir jetzt auch in unseren internen Museumsbestände über einen ähnlichen Rock und eine Schürze. Schaut man sich das Foto an, so versteht man sehr wohl, woraus die Leo Tolstoi-Inspiration für seine weltberühmten Geschichten wie „Polikuschka", „Idylle" und „Tichon und Melanie" stammt. Auf eine ähnliche Art und Weise erscheint uns auch seine Erzählfigur Stephanida aus dem "Teufel". Tolstoi beschreibt sie wie folgt: „In einer schneeweißen Schürze, einem purpurroten Rock und barfuß, so stand sie da, frisch, vital und hübsch, und lächelte verschmitzt." In dem Fall spricht das von Leo Tolstoi dargestellte Frauenbild für Naturenergie, Schönheit, Intelligenz und Anmut.

Unsere Bauernkleidersammlung können wir wie folgt definieren. Sie ist nicht groß, umfasst nur 15 Gegenstände und stellt eine traditionelle Bauerntracht dar, die durch mehrere Generationen zustande kam. Die wichtigsten Stoffe sind dabei das hausgewebte Leinen und die grobfaserige Wolle. Das Schnittmuster hätte von der Näherin je nach Leinwandbreite berechnet werden müssen. Die Frauentrachten stehen in unserer Sammlung in der Mehrzahl und bilden somit ihre beste Grundlage, weil sie auch in künstlerischer Sicht sehr attraktiv sind. Ihr markantes Kennzeichen ist ihre Zugehörigkeit zum südrussischen Raum. Hier tauchen die Muster sowohl für die Alltags- als auch für die Festtagskleidung auf, und sei es nur zusätzliche Dekorationen, bzw. Farbenintensität, die sie von einander unterscheiden. Die Herrenbekleidung steht dabei in der Minderzahl. Aber selbst die wenigen Ausstellungsgegenstände sind sehr markant. Die Ähnlichkeit aller Trachtmuster fällt auf, wobei größtenteils die Stehkragen-Seitenverschlusshemden und die einfachen Bauernbuxen auftauchen.

Eines der auffälligsten Kleidungsstücke ist Trägerrock, der in Russland auch „Sarafan" genannt wird. Daran lässt sich auch der allgemeine Modetrend feststellen, der auf den russischen Jugendstil zurückführt, indem zum Einen die in der Fabrik angefertigten Stoffe, Dekoration und Schuhwerk gebraucht werden. Zum Anderen ist hier bereits ein deutlicher Wandel einer althergebrachten Kleiderform feststellbar. So kommt zum Anfang des 20. Jahrhunderts der Trägerrock aus Satin in Mode. Der Trägerrock, der in unserer Sammlung zu besichtigen ist, ist ein Fabrikat mit feinen Farben. Seine Besitzerin musste nicht nur eine geschickte Meisterin, sondern dazu noch eine Künstlerin gewesen sein.

Für russische Bauern bedeutete die Kleidung immer mehr als nur eine Körperbedeckung. Sie war ein Teil ihrer Lebensweise. Diese Sachen sprechen ebenfalls für die große russische Seele – mit ihren wichtigsten Charaktereigenschaften wie Spitzfindigkeit, Fleiß und Heiterkeit.

Die Bauerntracht ist auch ein Bestandteil des russischen Nationalerbes. So gilt die Kleidersammlung von Jasnaja Poljana als eine wichtige Quellen bei der Forschung russischer Kultur dar.

Ärmellose Jacke. Das späte 19. Jahrhundert. Gebiet Tula, Dorf Jasnaja Poljana
Velours, Kattun, Watte, Borte, Fabrikgewebe, Handnäherei, Handstickerei
Länge: 73,0; Saumbreite: 344,0

ТК 2

Eingegangen in den Museumsbestand in den 1930er Jahren.
Stammt aus einer Bauernfamilie von Jasnaja Poljana
Оценка услуг