Staatliches Leo Tolstois Gut zu Jasnaja Poljana
  • krokus.jpg
  • kucherskaya.jpg
  • midpond.jpg
  • pond_eng.JPG
  • pond_eng2.jpg
  • veranda.jpg
Государственный мемориальный и природный заповедник «Музей-усадьба Л.Н. Толстого «Ясная Поляна»
Viktor Baturin (1863-1938) ist ein aus der Region Tula stammender, bzw. an der Moskauer Kunstfachschule graduierter, Landschaftsmaler. In seinen Studienjahren von 1882 bis 1888 wirkte er da in den spezialisierten Malworkshops von Paul Sorokin und Illarion Prianischnikov, Vladimir Makovski, Eugraph Sorokin und Basil Polenov mit. Sein weiterer Lebensabschnitt verlief in Moskau, wo er in den Jahren 1888 – 1915 seinen Unterhalt als Bühnenbildner im Bolschoi-Theater, bzw. als Kirchenmaler mit zeitweiligen Aufträgen auf den umliegenden Adelsgütern, bestritt. In seiner sommerlichen Urlaubszeit bereiste er die Krim und den Kaukasus, die Ukraine und die Heilstätten zum litauischen Palanga, wo er in gewohnter Weise seiner beliebten Freilichtmalerei nachging. Die nachfolgende Sowjetzeit verbrachte er in der kasachischen Stadt Pavlodar, wo er seinen eigenen Malworkshop veranstaltete und sich an den diversen Bildungseinrichtungen engagieren ließ. Zu seinem Lebensabend hielt er sich als viel beschäftigter Auftragsmaler an mehreren Standorten von Zentralrussland, Sibirien und an der Wolga, bzw. in Moskau und Novossibirsk, Tula, Alexin und Samara, auf. Seine Meisterwerke waren nicht nur in der russischen Hauptstadt gefragt, sondern sie gelangten auch nach Übersee, wo sie von dem dorthin ausgewanderten Leo Tolstoi zweitältesten Sohn Elias in Anspruch genommen wurden. Den Grund dazu lieferte eine enge Freundschaft der Beiden, die noch in der Jugendzeit des Malers entstanden war und einen bemerkenswerten Fortgang aufwies, indem sich Baturin noch zur russischen Zarenzeit auf seinem Freundesgut „Mansurovo" zur Region Kaluga, bzw. in Begleitung seines Sohnes Kirill, des Öfteren verweilte, um zwischendurch auch nach Jasnaja Poljana zu kommen, wo er mit der Dichterfamilie eine Freundschaft anknüpfte und seine einzigartigen Landschaftsskizzen hervorbrachte, mit denen er im Nachhinein das Staatliche Moskauer Klassikerhaus beschenkte.

Seine Landschaftsbilder, Stillleben und Genreskizzen kamen in der Kunstform des Realismus zum Ausdruck und leisteten im XIX. Jahrhundert einen bemerkenswerten Beitrag zur russischen Wandermalerbewegung. Dabei heben sich seine bedeutendsten Werke, wie: „Unwetter" und „Frühlingstag", „Sonnenuntergang" und „Holzschlag", „Berglandschaft" und „Am Bauernhof", „Fluss Moskwa" und „Frühlingsdämmerung", „Wiesenblumen" und „Tolstoisches Dichterhaus zu Jasnaja Poljana" heraus.

Die „Wanderer" (russisch: „Peredwischniki") waren eine Gruppe russischer Künstler, die den Realismus in der Malerei anstrebten. Aus Protest gegen die Restriktionen der Kaiserlichen Kunstakademie von Petersburg bildeten sie eine Gemeinschaft und entfalteten ab 1870 ihre Kreativität bei Veranstaltung von Wanderausstellungen. Baturin zählte zu deren Urhebern. Seine rege Mitwirkung kam in den zahlreichen Ausstellungen zu Moskau, St.-Petersburg und in der Wolga – Stadt Nizhni Novgorod, bzw. in der deutschen Hauptstadt Berlin, sowie bei einer Weltausstellung im amerikanischen Saint-Louis (die sog. „The Saint Louis World's Fair" 1904) zum Ausdruck, bei der sich ausgerechnet die russische Kunst heraushob. Über einen beträchtlichen Zeitraum von 1885 bis 1938 hinweg wirkte Viktor Baturin als viel engagierter Kunstmaler im heimischen und internationalen Ausstellungsbetrieb mit. Seine Werke waren sehr gefragt, von denen sein Gemälde namens „Blühender Garten" für den Zarenhof zum Winterpalast nach St.-Petersburg erworben wurde.

Baturins Meisterwerke sind in der Tretiakov – Galerie und im Staatlichen Tolstois Haus zu Moskau, auf dem Gutsmuseum von Basil Polenov am Fluss Oka im Gebiet Tula, sowie in den zahlreichen Kunstmuseen zu Samara und Irkutsk, Ulianovsk, Tula, bzw. im kasachischen Pavlodar, in den Privatsammlungen in Russland und auswärts bewahrt.

Unsere internen Museumsmagazine zu Jasnaja Poljana verfügen ebenfalls über drei seine Landschaftsbilder, wie: „Trichterflüsschen", „Am Trichterflüsschen" und „Bahnstation Kozlova Sasseka".

Die beiden ersten Gemälde sind unserem heimischen Flüsschen namens „Trichter" (rus.: „Voronka") gewidmet, das das gesamte museale Naturschutzgebiet von Jasnaja Poljana durchzieht. Entsteht dieses malerische Gewässer im südlichen Teil der Stadt Tula als Nebenfluss von Upa, fließ es jedoch in seinem Grundstrom ausgerechnet durch die signifikante Schneeballstrauchwiese (rus.: „Kalinov – Wiese") von Jasnaja Pojana. So beliebt dieser kleine Fluss auch immer war, wurde er von Leo Tolstoi in seinem berühmten Roman „Anna Karenina" eingeprägt, wobei der Dichter, genauso wie sein Protagonist Konstantin Lewin, in einer Bauerngruppe einer Heuernte nachzugehen pflegte. Tolstoi durchstrich des Öfteren seine malerische Umgebung zu Fuß und hoch zu Roß und ging hier gerne baden. Dazu bestehen seine eigenen Mitteilungen, sowie die authentischen Fotos von Vladimir Tschertokov, wie: „Tolstoi auf seinem Badeweg vom Fluss Trichter zurück" (1905), „Badestelle am Fluss Trichter" (1908) und „Tolstois an einer Verstauung am Flus Trichter" (1908).

Das Landschaftsbild „Bahnstation Kozlova Sasseka" gibt eine ausdrucksvolle mittelrussische Herbststimmung von der Umgebung zu Jasnaja Poljanas wieder, wobei explizit die im Jahr 1864 in Betrieb gesetzte Bahnstation Kozlova Sasseka zum Ausdruck kommt. Früher hielten hier die Fern- und in der sommerlichen Urlaubszeit auch Regionalzüge an. Auf eine signifikante Weise stellt sich dabei die Tatsache heraus, dass alle Moskauer Reisen des Dichters und seiner Familienangehörigen ausgerechnet über Kozlova Sasseka abgewickelt waren. Hier wurde ein angereister Familienbesuch in Empfang genommen und Post abgeholt. Herr Dichter höchstpersönlich kam hierher beritten an, wenn er behilflich sein wollte. Ausgerechnet mit Kozlova Sasseka steht die tragische Begebenheit vom 09. November (bzw. vom 22. November) 1910 in Verbindung, indem hier ein Trauerzug von der südrussischen Station Astapovo mit einem Dichterleichnam eintraf. Hiermit werden die eklatante Tolstoische Flucht und sein Ableben auf einer Fernreise auf eine besonders feinfühlige Weise thematisiert.

Auch die weiteren, bzw. in der Moderne entstandenen, Meisterwerke von Viktor Baturin weisen einen hohen kunsthistorischen Wert auf, insoweit sie das Adelsgut und seine Umgebung aus einem unverkennbaren zeitgenössischen Tolstoischen Blickwinkel darstellen. Deren Signifikanz für unsere gegenwärtigen Erhaltungsbemühungen ist unüberschätzbar, da dadurch der Alltag des Dichters, sein Schaffen und die ihn inspirierende Naturumgebung wieder ins Leben gerufen werden.
Viktor Baturin
„Am Trichterflüsschen"
Die Wende vom XIX. zum XX. Jh. Jasnaja Poljana (?)
Leinwand, Ölfarben. 53,0 х 89,0

Unten rechts steht eine Künstlersignatur: „V. Baturin"
Ж-172
Erworben bei Herrn I. D. Schepakin im Jahre 1957 in Tula
Оценка услуг