Staatliches Leo Tolstois Gut zu Jasnaja Poljana
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Государственный мемориальный и природный заповедник «Музей-усадьба Л.Н. Толстого «Ясная Поляна»
Julia Igumnova (1871-1940) entstammt der altrussischen Stadt Lebedian. Ihr Studium absolvierte sie an der Moskauer Kunstfachschule für Malerei, Bildhauerei und Baukunst. Ebenda knüpfte sie ihre Freundschaft mit Tolstois ältester Tochter Tatiana, um im Nachhinein des Öfteren in Jasnaja Poljana unterzukommen. Von Tatianas Studienfreundin wurde auch deren Elternfamilie angetan, so lebte Julia Igumnova fast durchgehend von 1899 bis 1907 bei Tolstois. In Jasnaja Poljana ordnete sie die Korrespondenz des Dichters und schrieb seine zahlreichen Manuskripte ins Reine. Im Weiteren folgte sie seiner Familie nach Gaspra auf die Krim, wo sie sich um den bauchtyphuskranken Tolstoi kümmerte. In seinen Tagebüchern tauchen ihretwegen zahlreiche Notizen auf. Jedoch endete ein künstlerisches Idyll von Julia Igumnova prompt zu Beginn des neuen 20. Jahrhunderts. Im Juli 1908 tauschte sie Jasnaja Poljana gegen einen Aufenthalt in der Westukraine aus, wo sie im signifikanten Naturschutzgebiet Askania Nova zu Cherson unterkam. Allerdings nach Tolstois Tod im Jahr 1910 kehrte sie nach Jasnaja Poljana wieder zurück, wo sie bis 1914 lebte, indem sie die Museumsbesucher durch das Dichterhaus, bzw. auf den Kurzwanderungen zum Tolstoi-Grab, begleitete. Dann ging sie kurz wieder weg, um dann endgültig 1937, bzw. bis zu ihrem Tod im Jahr 1940, ihre Ruhe im Dorf Jasnaja Poljana zu finden. Laut ihrem Testament wurde sie in der Tolstoischen Familiengrabstätte, bzw. im alten Kirchhof zum Nachbardorf Kotschaki, begraben.

Ihr Andenken wird immer noch in Jasnaja Poljana bewahrt. Nach wie vor sind ihre Bilder im Dichterhaus zu besichtigen, sei es ein signifikantes Bildnis von Tatiana Tolstoi aus dem Jahr 1898, das am Kopfende des Tolstoischen Bettes zu seinem konservierten Schlafzimmer hängt. Dazu besteht ein ausdrucksvoller Tolstoi-Spruch vom 31. Dezember 1902: „Hebe ich meinen Blick, erblicke ich sofort Dein anmutiges Gesicht. Ihm ist anzusehen, dazu Du dich beherrschen und zufrieden geben willst, obwohl Du wegen Deiner heftigen Gefühle aus der Fassung gerätst und darunter sehr leidest."

Ein zweites Bild von Julia Igumnova aus dem Jahr 1902 ist im signifikanten Tolstoischen Büro „Im Gewölbe", bzw. an der Hintertür im Zimmerinneren, zu besichtigen und tut sich als eines der besten Dichterbildnisse aus dem Zeitalter seiner krimschen Bauchtyphuskrankheit hervor. Michael Sukhotin als Tatianas Ehemann behauptete, es sei die wahrheitsgetreuste Klassikerabbildung, auf der er ein Buch in der Hand festgehalten ist.

Über die Porträts von Leo Tolstoi und seinen Familienangehörigen hinaus werden noch zahlreiche Tierdarstellungen im Museum bewahrt. Auf einem Porträt aus dem frühen 20. Jahrhundert ist der Dichter hoch zu seinem Lieblingsross Delir, bzw. auf einem entfernten Gutsausritt, abgebildet.

Ebenfalls liegt uns die Skizze eines ungesattelten weißen Pferdes vor, das sich vor einem gelbgrünen Laubhintergrund hervortut. Anhand einer Besitzersignatur von Sophia Tolstoi konnte es ermittelt werden, dass die o.a. Skizze ihr von der Malerin eigenhändig überreicht wurde.

Die Meisterwerke von Julia Igumnova werden im Kuzminski-Haus zu Jasnaja Poljana bewahrt. Sie wurden uns als Bestandteil einer großen Sammlung von Sophia Tolstoi-Essenin nach derem Tod im Jahr 1958 überreicht. Sophia Tolstoi-Essenin wies eine vollständige Namensgleichheit mit der Dichterfrau auf und tat sich als Tolstois Enkelin und renommierte Leiterin seiner Museumszentrale zu Moskau hervor.

Nachstehend werden auch signifikante Bildnachahmungen der Dichtervorfahren aufgeführt. Sie gelten ebenfalls als Werk von Julia Igumnova und wurden früher auf dem Landgut Tolstois Sohnes Andreas und früh verstorbenen Vaters von Sophia Tolstoi-Essenin zu Taptikovo bewahrt. Über die o.a. Bildnisse erstattet uns der Tolstoische Schriftführer Valentin Bulgakov seinen nachstehenden Bericht: „Im Wohnzimmer sieht man die Ahnenbilder, seien die des Fürsten Nikolaus Volkonski, des Grafen Elias Tolstoi, bzw. der Fürstenfrau Ekaterina Volkonska. Das sind alle Kopien der signifikanten Bildnisse aus dem Tolstoischen Wohnzimmer zu Jasnaja Poljana, bzw. ein Meisterwerk von Julia Igumnova."

Auf eine Reminiszenz an Dorf Taptikovo kommt man ebenfalls beim Anblick ihres Bildes „Viergespann," wobei ein ländliches Adelshaus, samt seinen unverwechselbaren untersetzten hellen Bauten, Hecken, Sandwegen und Rabatten, im Hintergrund hervortreten. Im Mittelpunkt erblickt man ein hochrassiges Viergespann im prachtvollen Sattelzeug. Das ist eine bildhafte Andeutung auf ein hauseigenes Gestüt von Andreas Tolstoi.

Das o.a. Motiv „Tolstoi hoch zu Ross" von Julia Igumnova erscheint in unserer offenen Sammlung in einer zweifachen Auslegung. Die Letztere hat einen diskreten Titel: „Tolstoi auf einem Ausritt", ist jedoch den äußerst traurigen Begebenheiten der Dichterflucht und Tod aus dem Jahr 1910 geweiht. Die Replik entstand in einer großen Eile, bzw. in einer unverkennbaren Aufregung deren Meisterin. Daraufhin deuten ungefärbte Bildstellen, bzw. ein sparsamer Umgang mit helleren, bzw. blauen und weißen, Farbtönen, der sich ganz gegensätzlich zu ihrem vorangehenden Bild: „Tolstoi auf seinem Lieblingspferd Delir" hervortut. Dem Tolstoi-Gesicht auf dem o.a. Trauerbild ist keine typische Winterfreude, sondern ein ausdrücklicher Schmerz und Kummer anzusehen. Die Darstellung eines trüben spätherbstlichen Tages ruft bei Zuschauern ein verlorenes Gefühl hervor. Eine aufrichtige Trauer der Künstlerin wird noch mehr durch eine tiefschwarze Bildumrandung, sowie ihre unauffällige Signatur auf der Bildrückseite: „Meine Postsendung an Alexandra Tolstoi", gesteigert. Auf diese ausdrückliche Weise übermittelt die Malerin ihre künstlerische Botschaft an die jüngste Tolstoi-Tochter Alexandra.

Wollen so gut wie alle bekannten o.a. Gemälde einer früheren Privatsammlung von Sophia Tolstoi-Essenin entstammen, kam jedoch im Jahr 2004 ein noch weiteres Bild „Die Ackerfrauen aus der Westukraine" von Julia Igumnova hinzu. Leider lässt dessen Erhaltungszustand viel übrig zu wünschen. In Jasnaja Poljana wurde es auf unsere planmäßige Restaurierungsliste auf das Jahr 2015 gesetzt. Nach seinem Motiv und Farbgebung hebt sich das letztere Bild von allen oben genannten durch eine nicht zu übersehende Spannung von Julia Igumnova - im Hinblick auf ihren neuen Wohnort in der Ukraine, bzw. ihren Rückzug aus Jasnaja Poljana, hervor.
Julia Igumnova
Ein Viergespann
Aus dem frühen 20. Jahrhundert. Russland
Ölfarben, Pappe. 40,0 х 49,0

Ж-4

Übergeben vom Staatlichen Tolstoi-Dichterhaus zu Moskau. Ein Eingangstermin zu Jasnaja Poljana ist unermittelt
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