Staatliches Leo Tolstois Gut zu Jasnaja Poljana
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Государственный мемориальный и природный заповедник «Музей-усадьба Л.Н. Толстого «Ясная Поляна»
In unserer offenen Ausstellungssammlung verfügen wir über einige einzigartige Exempel urtümlichen russischen Handwerks als hausgewebte gebleichte Leinwandhandtücher. Dabei gilt deren Spitzen- und Stickereibesatz als typisch russische Bauerntrachtverzierung.

Davon verfügen wir über 23 Exemplare. Die ersten gingen bei uns noch in den frühen 1970er Jahren ein.

Der maßgebliche Rest kam allerdings erst später, bzw. aus dem Zeitraum von 1994 bis 2001, hinzu. Bis auf wenige Ausnahmen wurden die o.a. Ausstellungsstücke komplett im historischen Dorf Jasnaja Poljana, bzw. bei deren Stammanwohnern aus den Familien Frolkov, Orekhov, Rumianzev und Micheev erworben, deren Namen ebenfalls in den Briefen, Tagebüchern und im Werk von Leo Tolstoi auftauchen.

Der Erhaltungszustand der o.a. Ausstellungsgegenstände ist ausgezeichnet. Nur an wenigen Stellen weisen sie unbedeutende Gebrauchsstrapazen auf, seien es partieller Musterfadenverlust, faserige Spitzen, bzw. kleine Schmutzflecken.

Die o.a. Handtücher dürfen als einheitliche Sammlung zu den gleichen Herstellungsverfahren, Farbmustern, Dekorationsmotiven und Zierstreifen erfasst werden.

Nach deren Gebrauchsart darf sie als Wohnbedarfsutensilien und Hausdekoration eingeordnet werden, wobei die o.a. Handtücher u.a. als Ikonen-, Spiegel- und Bildrahmenverzierungen gelten.

Die Bauernhandtücher sind durchgehend mit Spitzen und Stickerei verziert.

Die o.a. Spitzenverzierungen entstanden durch Häkeln von weißen Baumwollfäden. Als Grundmuster erscheint dabei ein Dichtnetz mit einem gezackten, als Halbrhomben verzierten Saum, bzw. einem Pflanzen- und Geometriezeichenornament als abstrakte Blumen, Blumentöpfe und fest durchhäkelte, gelochte Rhomben.

Als Stickerei überwiegen die rot- und schwarzfarbenen wollfaserigen Kreuzmuster als Streifen mit pflanzlichen und abstrakten Ornamenten. Seltener tauchen die Vogel- und Malereiornamente auf. (S. die Abbildungen ТК-37, ТК-68, ТК-90, ТК-91). Ebenfalls verfügen wir über einige Madeirastickerei-Exempel. (S. ТК-28, ТК-29).

Bemerkenswert ist das als ТК-72 abgebildete Exempel, das einem ausgesprochenen Nutzungszweck galt. Das ist ein hausgewebtes, ungebleichtes Handtuch als Köper mit vier dichten rotfarbenen Saumstreifen.

An manchen Handtüchern tauchen ebenfalls gestickte Texte auf. Die galten als urtümliche Ikonendekoration. Dabei stehen an beiden Handtuchsäumen sowohl ein gestickter Spruch als auch dessen Fortsetzung, seien es „Gott lebt dort, wo Liebe ist", „Erbarme dich mein Gott", „Heilige Mutter Gottes", bzw. „Wen liebe ich, den beschere ich".

Wir verfügen ebenfalls über einige Namenshandtücher mit eingestickten Initialen, seien es: „Е.П." / „JP" (S. die Abbildung ТК-73), „А.Б." / „AB" (S. ТК-18,59), „Г.О.Ж." / „GOJ" (S. ТК-100), „Д.М." / „DM" (S. ТК-74). Die Besitzernamen sind nun so gut wie unfeststellbar, ausgenommen das Handtuch des Tolstoi-Leibarztes und -Gleichgesinnten, Herrn Duschan Makovizki, der seinem berühmten Patienten auf dessen letzter Fluchtreise folgte. Nach dem Tolstoi-Tod war Duschan Makovizki im Jahr 1920 in seine slowakische Heimatstadt Rosenberg zurückgekehrt, wo er kurz darauf seinem Leben ein Ende setzte. Seine russische Witwe als gebürtige Jasnaja Poljana-Anwohnerin Maria Orekhov-Makovizki hatte ihr Heimatdorf im Jahr 1966 besucht und einen Teil ihrer privaten Gebrauchssachen bei ihrer Schwester zurückgelassen, die das o.a. Makovizki-Handtuch dann an die hiesige Dorfschule verschenkte, damit dieses später noch an unser Museum übereicht werden konnte.

Durch die feinen Stickmuster und den Ornamentreichtum kommt eine einzigartige Schönheit zum Ausdruck, die mit einem praktischen Gebrauchszweck zu wenig zu tun und eine weitere Dekorationsbestimmung hat, sei es Neugeburts-, Bestattungs- und Hochzeitsriten, die noch auf die vorchristlichen slawischen Gebräuche zurückzuführen sind. Das simple Handtuch galt früher als Totem, Maskottchen, Opfergabe, Vereinigungs- und Grenzzustandszeichen.
Handtuch
Aus der Wende des 19. Jahrhunderts. Russland
Leinen, Woll- und Baumwollfasern, Handgewebe, Handstickerei, Handstrickerei. 275,0х47,5

ТК-18

Erworben bei Frau A. Veklitsch, im Jahr 1973, in der Stadt Tula
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