Staatliches Leo Tolstois Gut zu Jasnaja Poljana
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Государственный мемориальный и природный заповедник «Музей-усадьба Л.Н. Толстого «Ясная Поляна»
In der konservierten Sammlung aus dem Tolstoi-Haus zu Jasnaja Poljana zählen die Visitenkarten nur 450 Stück, beziehen sich aber auf einen ganz breiten Personenkreis, sei es Familienangehörige und Besucher von Leo Tolstoi, weltberühmte sowie völlig unbekannte Personen, bzw. Vertreter einiger einzigartigen Berufe, auf die wir in unseren weiteren Abschnitten noch eingehen würden.

Der erste Teil unseres veröffentlichten Sammlungskatalogs umfasst nur 18 Visitenkarten, die Leo Tolstois selbst, seiner Frau Sophia, sowie ihren Kindern, bzw. einem ihrer jüngsten Söhne, Andrej, und ihrer jüngsten Tochter Alexandra gehörten.

Ebenfalls bewahren wir die Visitenkarte einer der Leo Tolstois Enkelinnen, Nina Tolstoi. Auf ihrer Rückseite kann man eine rührende Widmung lesen, die offensichtlich für ihre Großmutter, Frau Sophia Tolstoi, galt.

Wichtig zu wissen, dass der Visitenkartengebrauch in Russland gegen Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Höhepunkt erreicht. Die Visitenkarten-Anwendung unterlag sogar den Regeln guten Benehmens, die weit über nur ein Stück Pappe mit aufgeschriebenem Besitzernamen hinausreichten. War die obere, bzw. untere Kartenecke nach außen oder links eingeknickt, so konnte der Gastgeber gleich die Besuchsabsicht einsehen, sei es Gegenbesuch oder Geschäftstermin. Vorgeschrieben wurden ebenfalls das Format, die Farbe und die Schriftart der Visitenkarte. Als schlechter Geschmack galten Buntpapier, Goldschnitt, schwülstige Texte, Prägung und weitere Verschnörkelungen. Das Papier sollte nur weiß und matt und der Text möglichst knapp sein. Gut angesehen waren handgeschriebene, bzw. eingravierte Texte. Allerdings verwendete man um die Wende zum 20. Jahrhundert bereits die Druckschriften.

Für einen Trauerfall wurden besondere Trauerkarten gedruckt. Eine davon gehörte Sophia und liegt in unserer Sammlung vor. Wir bewahren selbst ein Kartenkästchen dazu, das auch noch seine Druckerei ermitteln lässt.

Wir besitzen ebenfalls einen Visitenkarten-Umschlag mit einem Verweis an Sophia Tolstoi. Bald wurden die in einen Umschlag verpackten Visitenkarten von den Besuchern persönlich ausgehändigt, bald wurden sie zugesandt.

Nun einige Anmerkungen zu den Visitenkarten aus unserer Sammlung.

Geschmackvoll sind sie alle. Bis auf eine, die einst Leo Tolstoi gehörte und nicht aus Papier, sondern aus einem feinen Korkschnitt ist. Bemerkenswert ist, dass darauf nicht Tula, sondern Jasnaja Poljana als Tolstois Hausanschrift angegeben ist.

Einige Visitenkarten von Leo Tolstoi enthalten sogar seinen Grafentitel. Aber zum Lebensabend bedurfte der weltberühmte Dichter keiner Rangordnung mehr.

Die Visitenkarten von Sophia Tolstoi stellen Leo Tolstois Ehefrau als emsige Verlegerin und Behörden-Besucherin dar. Auf ihren Visitenkarten machte sie oft kleine Notizen als Gedächtnishilfe. Sie erscheint als liebevolle Mutter, die ihre herangewachsenen Töchter in die obere Gesellschaft, bzw. zu einem Theaterbesuch begleitete.
Visitenkarte von Leo Tolstoi
Aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Russland (?)
Korkschnitt, Druck. 5,8х9,5
Eingegangen in den Museumsbestand im Jahr 1921. Befand sich vorher in Besitz der Tolstoi-Familie

ДК М-60

Es ist aus einem feinen Korkschnitt angefertigt. Auf dem hellbraunen Viereck sind winzige Korkporen zu sehen, die bei Durchsicht nach allen Regenbogenfarben schillern. In der Mitte steht eine verschnörkelte Inschrift: "Leon Tolstoi". Unten rechts steht auch noch in Kleinschrift geschrieben: "Toula".
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