Staatliches Leo Tolstois Gut zu Jasnaja Poljana
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Государственный мемориальный и природный заповедник «Музей-усадьба Л.Н. Толстого «Ясная Поляна»
Vor nun 110 Jahren nahm Tolstoi einen ausdrücklichen Bezug auf das Shakespeares Werk, der in seinem berühmten Aufsatz „Über Shakespeare und sein Drama" (Tolstois sämtliche Werke, Band 35, die Seiten 216-272) zum Ausdruck kommt, an dem er vom 13. September 1903 bis Mitte Januar 1904 arbeitete. Sein dichterisches Vorhaben teilte er ebenfalls am 6. Oktober 1903 seinem Vertrauten Vladimir Tschertkov wie folgt mit: „Ich nehme nun meinen ganz persönlichen und nachempfundenen Bezug auf William Shakespeare, der mit der herkömmlichen Meinung leider auseinander liegt." (88, 309).

„Ich kenne noch mein anfängliches Unbehagen, als ich zum ersten Mal aus dem Shakespeare las. Ich war auf den bevorstehenden Lesegenuss so gespannt, sodass ich in einem fort „König Lea", „Romeo und Julia", „Hamlet" und „Macbeth" durchlas, empfand dann aber ein komisches Missgefühl und eine Langeweile und stellte irritiert fest, dass mir die berühmten Shakespeare-Werke unbedeutend und beinahe fremd vorkommen, wobei diese von der ganzen gebildeten Welt als erhaben und vollkommen lobgepriesen werden. Ich musste mich dann auch heftig mit mir selbst auseinandersetzen, um mir darüber klarzuwerden, ob ich es selbst bin oder doch die restliche Welt im Unrecht ist, die den Shakespeare-Werken eine eminente Bedeutung zuspricht." (Die Seiten 216-217 vom o.a. Tolstoi-Aufsatz). „Bei meinem sonst wohlvertrauten Selbstbewusstsein im Hinblick auf die schöne Dichtung, war ich mir völlig im Unklaren, warum ich mich über die meisten weltberühmten Shakespeare-Werken nicht nur befremdete, sondern dass sie mich regelrecht anwiderten...

Über die langen fünfzig Jahre hinweg wollte ich mein Gefühl nicht wahrhaben und forderte mich erneut heraus, mich an die Shakespeare-Lektüre wieder zu machen, sei es seine englische Originalfassung, bzw. diverse russische und deutsche Übersetzungen. Als Letztere gilt die berühmte Interpretation von August Wilhelm von Schlegel. Nun las ich wieder, mehrfach, wie es mir nahegelegt wurde, seine Dramen, Komödien und Chroniken durch und erlag dem alten Missgefühl, Befremden und der Langeweile. Nun mache ich mich als 75-järiger Greis an den o.a. Aufsatz, für den ich wiederholt den gesamten Shakespeare-Nachlass studiert habe, angefangen mit „König Lea", „Hamlet", „Othello" bis hin zu den berühmten Chroniken, bzw. der ganzen „Henry"-Königsschauspielreihe, „Trillus und Cressida", „Sturm" und „Cymbeline". Nun stelle ich klar und deutlich fest, dass die eminente Shakespeare-Autorität, die nach wie vor viele Berufsnachfolger hat und durch die die Lesesensibilität nur beeinträchtigt wird, komisch und falsch ist." (Seite 217).

Im o.a. Aufsatz geht Tolstoi auf seinen früheren Standpunkt aus seinem nicht weniger berühmten Essay „Was ist Kunst" ein, wobei er sich von seinen christlichen, religiösen und sittlichen Vorstellungen leiten lässt. Als er mit seinem Aufsatz „Über Shakespeare und sein Drama" fertig war, stellte er seine Idee in seinem Brief an den Literaturkritiker Vladimir Stassov vom 9. Oktober 1903 wie folgt dar: „Mein Einspruch gilt weniger dem ausgesprochenen Adelsstolz Shakespeares, sondern einem allgemeinen Loblied auf sein laienhaftes Werk und unbeholfenes künstlerisches Gefühl." (Band 73—74, die Seite 202).

Dem großen englischen Klassiker warf Tolstoi den Bedeutungsmangel, die Motivarmut und Zusammenhangslosigkeit vor. Allerdings gelten dabei nicht nur die negativen Tolstoi-Bewertungen. Tolstoi spendete Shakespeare ebenfalls ein Lob für seine gekonnte Schauspielknotenknüpfung, bei deren Lösung alle Schauspielcharaktere explizit zum Ausdruck kommen, und seine meisterhafte Gefühlsmalerei.

Der o.a. Aufsatz „Über Shakespeare und sein Drama" rief eine wogende Kritikwelle hervor, die heutzutage immer noch nicht geglättet ist.

In den Regalen der berühmten Tolstoi-Bibliothek zu Jasnaja Poljana werden zahlreiche Shakespeare-Ausgaben bewahrt, bei deren Forschung die dichterischen Tolstoi-Intention unverkennbar zum Ausdruck kommt, bzw. die Einzelausgaben und Bücherreihen wie „Groschenhefte", „Shakespeares Tragödien für Bühne und Lektüre", „Biblioteko de la lingvo internacia esperanto", bzw. die „Tragödie über Hamlet, den Prinzen von Dänemark" in diversen Übersetzungen des Großfürsten Konstantin K. Romanov, der unter dem Künstlernamen K. R. auftrat (als Tolstois Privatexemplar), von N. A. Polevoi, sowie die sämtlichen Shakespeare-Werke in Übersetzungen von A. L. Sokolovski.

 

Buchstück
Shakespeare William. Hamlet, Prince of Denmark = [Hamlet, der Prinz von Dänemark] [Text]: a tragedy in five acts / by William Shakespeare. - London ; New York : Samuel French, Publisher, [1898]. - [2], VI, 75, [3] Seiten.
Papier, Druck, 18,3x10,5

КП-1795/246

Verlagseinband fehlt

Auf dem Titelblatt stehen die bibliographischen Hinweise in ungleichmäßiger schwarzfarbener Druckschrift. Der Buchband ist mit zwei Metallklammern zusammengeheftet.

Das o.a. Buchstück enthält eine Schenkungswidmung und einen Glückwunsch an Herrn Grafen Leo Tolstoi vom schottischen Landbesitzer und Politiker, Herrn Tollemache Sinclair.

Dazu ist auf dem Titelblatt oben zu lesen: „To Count Leo Tolstoi/ With Sir Tollemache Sinclair's/ compliments/ 14 King Street St James London/ Dec' 28th 1906."

Am 18. Dezember 1906 notierte dazu der Tolstoi-Leibarzt Duschan Makovizki in seinem Tagebuch wie folgt: „Herr Tolstoi brachte einen Stoß Bücher mit, den ihm Herr Sinclair zugeschickt hatte." (D. Makovizki, „Notizen aus Jasnaja Poljana", Band 2, die Seite. 333). Das o.a. Buchstück darf unbedenklich der o.a. Sendung zugeordnet werden, für deren Vorhaben sich Tolstoi in dessen Rückmeldung an Herrn Sinclair vom 2. Dezember 1906 bedankt und betont hat, es liege ihm „sehr am Herzen, das er seine Meinung zu Shakespeare und dessen unangemessener Lobpreisung vollkommen teile." (76, 252).

Im o.a. Buchtext sieht man mehrfache Randbemerkungen, die nicht nur von Tolstoi, sondern auch von den weiteren unbekannten Lesern stammen, seien es die schwarztinten- und grafitstiftfarbenen Vermerke, Kreuze, Randstriche, Zahlen, Unterstreichungen und Eselsohren. Bemerkenswert sehen die schwarztintenfarbenen Randbemerkungen auf der Seite 75 aus, die mutmaßlich auf Herrn Tollemache Sinclair selbst zurückzuführen sind.

 

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