Staatliches Leo Tolstois Gut zu Jasnaja Poljana
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Forste in Jasnaja Poljana

Die Forste zu Jasnaja Poljana nehmen mehr als die Hälfte der Naturschutzgebietsoberfläche ein, was ca. 254 ha beträgt. Ein Teil davon sind die Reste einer uralten natürlichen Waldmassive. Einen weiteren Teil bilden die Anpflanzungen, die von Leo Tolstoi und seinen Familienangehörigen vorgenommen wurden. Ausgerechnet durch Tolstois Aktivitäten entstanden alljährlich neue Birkenwälder, Eichenhaine und Tannenwälder. Jeder Waldabschnitt hat seinen eigenen Namen und ist signifikant für das gesamte Gutsbild.

Als Tolstoi sein Jasnaja Poljana erbte, blieb wegen der Abholzungen durch die früheren Besitzer nur ein Bruchteil der ehemaligen riesigen Naturwaldmassive, und zwar deren zwei ältesten Abschnitte – der Tschepizh-Wald und der sogenannte Alte Wald, übrig.

chepyzh„Tschepizh" nannte man den Eichenwald, der sich in der Nähe des Tolstoi-Hauses befand. „Tschepizh" nannte man in Tula und den Nachbarregionen jungen Wald mit beachtlicher Größe. Der Name Tschepizh leitet sich vom russischen Wort «пыжиться» / „pizhitjsja" ab, das sich als „etwas Kleines, das sich als Großes hervortut" übersetzen lässt. In den 1870 – 1880er Jahren gab es hier eine „Pfeilerhütte", in der sich Tolstoi des Öfteren zum Schreiben zurückzog. Es ließ sich hier konzentriert arbeiten oder entspannt mit Freunden unterhalten. Im Wald wachsen immer noch dreihundert Jahre alte Eichen, die im Sturm von 1943 verschont blieben, wobei viele andere „Tschepizh-Senioren" dahingingen. Auch der Tschepizh wurde zu einem Schauplatz im Tolstois Roman „Anna Karenina." Grund dafür waren seine Frau Sophie und sein ältester Sohn, die sich während eines schweren Sturms im Wald aufhielten. Wie seine Romanfigur Konstantin Lewin, machte sich Tolstoi große Sorgen, dass sie durch herabfallende Äste zu Schaden gekommen sind. Aber in „Anna Karenina" hat Tschepizh einen anderen Namen und heißt „Kolok".

„Lewin... näherte sich bereits dem Kolok und sah schon etwas Schimmerndes hinter der großen Eiche, als plötzlich alles aufflammte. Die ganze Erde schien in Feuer getaucht und der Himmel geborsten zu sein. Als Lewin seine Augen, die der helle Schein geblendet hatte, wieder öffnen konnte, sah er entsetzt durch den dichten Regenschleier hindurch, der ihn jetzt vom Kolok trennte, dass sich der grüne Wipfel der ihm so vertrauten Eiche mitten im Wald sonderbar veränderte. Ist sie tatsächlich vom Blitz getroffen worden ? dachte Lewin, während der Wipfel sich immer schneller und schneller senkte und der mächtige Stamm mit einem gewaltigen Krachen auf die ihn umgebenden Bäume herabstützte.

„Mein Gott, mein Gott ! Wenn der Baum nur sie nicht trifft !" rief er aus."

Der Tschepizh-Wald grenzt an die sogenannte Unterplattenschlucht.

stary_zakazDie natürlichen Waldflächen heißen in Jasnaja Poljana „Zakaz" und erscheinen als mehrere ungleichartige Abschnitte. „Zakaz" nannte man früher die Herrenforste, in denen die Abholzung und Viehweide verboten waren. In den frühen 1860er Jahren wurde aber ein Teil davon abgeholzt, der Alter Wald hieß. Schätzungsweise zählt sein heutiges Alter etwa 150 Jahre. Der älteste Tolstoi-Sohn Sergius betonte, dass dieser Wald gleich alt wie er selbst ist. Zakaz wird auch mehrmals in Tolstois Notizen und Briefen erwähnt: „Einmal abends verließ ich den Zakaz und weinte – vor Freude und Dankbarkeit, dass ich auf dieser Welt bin."

Im Alten Wald befindet sich das berühmte Tolstoi-Grab.

Ebenfalls als Bestandteil gehört zum Alten Wald der Afonin Hain. Im Jahr 1860 wurden hier die alten Eichen und Linden gefällt, die dann durch Espen und Birken ersetzt wurden. Kurz vor dem Tolstoi-Tod wurde der Hain zum wiederholten Male abgeholzt, wobei nun der nachgewachsene junge Wald Neuer Zakaz heißt.

Zum Westen vom Alten Wald liegt die mit Eichen und Linden bewaldete Arkov Schlucht. Einige Bäume zählen hier fast 200 Jahre. Das ist der größte Naturwaldabschnitt zu Jasnaja Poljana. Am oberen Schluchtrand befinden sich zwei kleine Karstseen. Sie vertrocknen selbst in der Dürrezeit nicht. Unter den Eichen- und Lindengewölben nisten die Wildenten. Dieser Gutsaabschnitt wird auch Istotschek genannt, was so viel bedeutet wie Wald am See. Hier wachsen Eichen und Linden. Das ist eine der abwechslungsreichsten Landschaften in Jasnaja Poljana.


osinnikZur demselben Waldmassiv gehört auch das Eichenwald-Dreieck und der Alte Schnittwald. Das Eichenwald-Dreieck ist einer der ältesten Waldabschnitte in Jasnaja Poljana, der seit den 1840er Jahren in seinen ursprünglichen Grenzen erhalten blieb. Der Alte Schnittwald wurde in den Jahren 1914-1917 abgeholzt, dann aber wieder nachgepflanzt. Der Badeweg, der durch den Alten Zakaz zum Fluss Voronka führt, geht weiter: zu einer kleinen Eichengruppe, die „Eichen an der Badestelle" heißt, wo die Tolstois gerne badeten. Bei der Abholzung im Jahr 1863 hat man hier die uralten Eichen stehen lassen, zu denen danach noch die jungen Bäume aus derselben Gattung nachgepflanzt wurden. Den Badeweg durch den Alten Zakaz entlang nahmen meistens die kleinen Tolstoi-Geschwister für ihre Spazierfahrten zum Dorf Grumant. Tolstoi berichtete darüber in seinen „Erinnerungen": „Der gesamte Weg beginnt an der Tenne und führt durch den Zakaz. Rechts liegt der Alte Wald und links der Neue Zakaz. Das macht richtig Spaß !"

Am anderen Voronka-Ufer liegt ein Espenwald, wo Leo Tolstoi im Jahre 1863 seine erste Imkerei einrichtete. Später wurde die Imkerei näher an das Tolstoi-Haus versetzt. Jetzt liegt sie im Roten Garten am Kuzminski-Nebengebäude. Zu seiner alten Imkerei-Stelle nahm Tolstoi seine Besucher und Familienangehörigen gerne mit, während er dort seiner Waldschnepfenjagd nachging. Eine nachfolgende Espenwaldbeschreibung finden wir auch im Tolstoi-Roman „Anna Karenina": „Der Schnepfenstand lag nicht weit in einem jungen Espenwald am Flüsschen... Die Sonne versank hinter den hohen Waldbäumen, und in der Abendröte traten schon die unter den Espen verstreuten Birken mit ihren herabhängenden Zweigen und ihren prallen, schon fast berstenden Knospen deutlich hervor..."


samorodEbenda, drüben, am Voronka-Ufer, befindet sich ein Naturwald, sowie der Runde Espenwald. In den frühen 1860er Jahren wollte hier Leo Tolstoi einen Obstgarten anlegen, der aber durch die Nager in der Winterzeit zugrunde ging. Tolstois ältester Sohn Sergius berichtet: „Einige Obstbäume kann ich noch erkennen. Auf einer gemeinsamen Spazierfahrt hat mir der Vater die Gartengrenze gezeigt." Später entstand an dieser Stelle auf eine natürliche Weise ein Wald, der später auch Naturwald genannt wurde. In den Jahren 1904-1905 wurde der Birkenwald abgeholzt, danach aber durch junge Birken und Espen erneuert.

Zu Jasnaja Poljana blieb nur ein ganz bescheidener Waldabschnitt übrig, als Tolstoi im Jahr 1847 ein Besitzer davon wurde. Sieben Jahre später wurde sein Waldbestand wegen permanenter Abholzung noch spärlicher, sodass auf dem ganzen Landgut, um mit dem Tolstoi-Bruder Nikolaus zu sprechen, „nur vier kleine bewaldete Stellen" übrig blieben. Demnach stürzte sich Tolstoi auf die Forsterneuerung. Vor allem bewaldete er die Schluchtabhänge und Flussufer. In den Tolstoi-Tagebüchern tauchen entsprechende Notizen auf, so wie: „Birkenreihen anpflanzen", „junge Baumsetzlinge besorgen und anpflanzen", „Eiche pflanzen" „Weiden in Jasnaja anpflanzen", „Espenanpflanzung" u.a..

Die ersten Tannen-, Kiefer-, Lärchen- und Birkenanpflanzungen wurden von Tolstoi am Stausee zum Fluss Kotschak angepflanzt, der in einer eineinhalb Kilometer-Entfernung zu Jasnaja Poljana, bzw. außerhalb der heutigen Naturschutzgebietsgrenze, liegt.

Die sogenannte Plotzki-Anhöhe im östlichen Gutsteil besteht aus einem Feld, am dessen Rand sich eine Schlucht befindet. Dies ist die gleichnamige Plotzki-Schlucht. Sobald man den Tschepizh-Wald verlässt, blickt man direkt darauf. Diese Schlucht ließ Tolstoi 1857 mit Eichen bepflanzen, um die Bodenerosion zurückzuhalten. Die kräftigen Eichen sollten die zunehmende Schluchtexpansion verhindern, die wie acht Riesenscheren den Acker entstellte. Einige Bäume davon bestehen immer noch. Als die wenigen erhaltenen Eichen, die von Tolstoi eigenhändig gepflanzt wurden, sind sie auch für moderne Gutsbesucher besonders sehenswert.

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In den Jahren 1861-1866 entstand hier ein Birkenwald, der im Jahr 1890 komplett abgeholzt und dessen Nachfolger nun Neuer Schnittwald hieß.

Der Tannenwald unweit des Grumants, am Zusammenfluss von Kotschak und Voronka, wurde früher „Die großen Tannen" oder „Die Tannen am Kohlfeld" genannt und in den Jahren 1878 – 1881 von Leo Tolstoi gepflanzt. Hier liegt die südöstlichste Grenze des Naturschutzgebiets, zu der die weitesten und schönsten Aussichten von Jasnaja Poljana gehören. Links, am steilen Abhang, hat man einen schönen Überblick über eine Wiese und über die Dorfsiedlung Grumant. Am Horizont erheben sich gewaltige „Baumsperren"-Wälder. Unten, soweit der Blick reicht, erstreckt sich eine Riesenwiese den Fluss Voronka entlang. „Unter den dunklen großen Tannen sind plötzlich junge Birken hoch geschossen", schrieb Sophia Tolstoi im September 1897, „ihre hellen, gelben Blätter erscheinen wie feine Spitzen vor dem dunklen Hintergrund... Der Sonnenuntergang war wunderbar, fein und klar. Hinter dem Grumant hervor blickte die Weite." Ausgerechnet in diesem Wald verfasste Tolstoi am 22. Juli 1910 sein letztes Testament. Die „Tannen am Kohlfeld" wurden in den Jahren 1927-1932 abgeholzt und erst im Jahr 1950 wieder neu gepflanzt.

Nebenan befindet sich noch ein Tannenwaldabschnitt, der „Tannen bei Grumant" heißt.

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Zu beiden Ufern des Voronkas entstanden zu derselben Zeit die Abramov- und Mitrofanov-Birkenplantagen. Die Abramov-Plantage ist die bedeutendste Tolstoi-Anpflanzung. 1874-1876 hat Tolstoi mit Hilfe seines Gärtners die Birken am Ackerrand, bzw. am rechten Flussufer gepflanzt. Der Vatersname des Gärtners war „Abrámovitsch". Im Andenken an diesen und als Dank dafür wurde der Wald nach ihm benannt. „Diese Plantage hat sich zu einem ausgewachsenen Birkenwald entwickelt, der nun Abramov-Wald heißt", erinnerte sich später Tolstois älteste Tochter Tatiana. „Wenn ich jetzt hier vorbei fahre oder wandere, weiß ich immer noch, wie fleißig ich einst mit dem Papa und dem Herrn Nikolaus Arseniev hier kleine duftende Birkensetzlinge mit glänzenden klebrigen Blättern einpflanzte. „Wenn du groß bist, wirst du hierher kommen, um Pilze zu suchen", sagte mir damals der Vater." Viel später, in den Jahren 1914-1916, bereits nach dem Tolstoi-Tod, wurde ein Teil des Waldes abgeholzt und verkauft. Laut Dichtertestamentes wurde sein Erlös an die Tolstoi-Bauern gespendet, um ihnen den Kauf von den Ihnen zustehenden Grundstücken zu ermöglichen. In den Jahren 1938-1939 wurde der Wald an dieser Stelle durch junge zweijährige Birkensetzlinge erneuert.

In den Jahren 1872 – 1880 wurden auf der Schneeball-Wiese, zum linken Voronka-Ufer, mehrere Birkenreihen angepflanzt. Das ist die sogenannte Mitrofanov-Plantage. Der von Tolstoi beauftragte Förster hieß Mitrophan Nikolajevitsch Bannikov. Nach ihm wurde auch der Wald benannt. Ein Teil des Waldes wurde in den Jahren 1929-1930 abgeholzt. In den Jahren 1936-1937 wurde er durch Birken wieder erneuert.

Wie im Abramov-Wald, wachsen hier viele Birken im hohen Alter von 130 – 140 Jahren. Einige davon sind schon schwach und gehen dahin, aber der Wald sieht immer noch majestätisch aus.

benchIn den 1889-1891er Jahren, im Norden vom Tschepizh-Wald, setzte Sophia Tolstoi die Tannen nach einer Methode des berühmten Forstwirtes E. Kern ein. Diejenige bestand darin, dass die Bäume diamantenförmig angeordnet und dazwischen die dreieckigen Eichenabschnitte dazu gepflanzt wurden. Doch die ersten Tannen schlugen keine Wurzeln. Nur Sophias Tolstoi Geduld zu Dank breiteten sie sich später auf der gesamten Anhöhe aus. Dazu erstattet und Tolstois Frau in ihren Memoiren „Mein Leben" einen nachfolgenden Bericht: „Die ganzen langen Tage verbrachte ich bei der Waldpflanzung. Den Tagelöhnern und Förstern erklärte ich die genauen Baumgruben-Maße und passte gut auf, dass die Tannenläppchen nicht abgerissen werden. Allerdings dauerte es sehr lange, bis der ganze Hügel bewaldet wurde, damit wir jetzt hier Pilze suchen und gern spazieren gehen". Der Weg neben dem Tannenwäldchen war auch der beliebte Promenadeweg von Leo Tolstoi. In seinen letzten Lebensjahren ließ er sich immer wieder nieder, um über sein vergangenes Leben nachzudenken. Seine Frau ließ hier im Jahr 1907 eine Birkenbank für ihn einrichten, um ihm auf dem Spazierweg eine Rastmöglichkeit zu geben. Ausgerechnet dieser Waldstelle galt Tolstois Inspiration. „Ich genieße diese Fichten, da es meine Lieblingsstelle auf dem Gut ist. Gehe ich morgens spazieren, lasse ich mich hier immer wieder nieder, um zu dichten", gestand er seinem Freund und Komponisten Alexander Goldenweiser.
kolodezIn den Jahren 1903-1907 nahm Sophia Tolstoi ihr Vorhaben wieder auf, in Jasnaja Poljana Tannen zu pflanzen. Ihre Aktivität galt auch dem Abschnitt, der nah am Fluss Voronka liegt und „Tannen am Brunnen" heißt. Wegen Emissionen des naheliegenden Chemiewerkes aus den Jahren 1964 – 1969 ging die Hälfte der Anpflanzungen dahin und wurde gänzlich entfernt. Allerdings wurde der o.a. Tannenabschnitt in den Jahren 1970-1990 wieder erneuert.

Direkt dahinten liegt einer der späteren Tolstoi-Forste. Das ist das sogenannte Birkenwalddreieck, das ebenfalls im Zeitraum von 1903 – 1907 entstand. Zwischen dem Tannen- und Birkenwald, am Hügelhang, befindet sich ein Brunnen - mit kristallklarem, fein schmeckendem Wasser. Hier wurde auch das Wasser für den Familienbedarf geholt. Tolstoi selbst kam höchstpersönlich hierher, um die häuslichen Wasservorräte aufzufüllen „Heute früh war das Wasser alle", schrieb er in seinem Tagebuch. „Ich ging zum Pferdestall (mein Kutscher verreiste zu einer Hochzeit), spannte die „Ratte" (so war der Name des Tolstoi-Pferdes) vor das Wasserfass an und fuhr Wasser holen. Ein wunderbarer Morgen ! Auf einer Seite weiden die Pferde auf der Wiese, auf der Anderen zieht die Herde am Wald vorbei; auf der Dritten gehen die Frauen ihrer Feldarbeit nach. Das Wasser ist rein, das Pferd ist gehorsam, meine Arbeit geht gut voran – nur selten bin ich so zufrieden !"



 
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