Staatliches Leo Tolstois Gut zu Jasnaja Poljana
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Gärten von Jasnaja Poljana
gardens1Die Obstgärten sind die Perle von Jasnaja Poljana. Sein Gartenbild wurde im Laufe von mehr als 150 Jahren gestaltet. Noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts stellte Tolstois Mutter, Prinzessin Maria Volkonska, ihre signifikante „Gartenliste" zusammen.

Zu ihren Lebzeiten bestanden auf dem Landgut zwei regelmäßige Obstgärten, die jeweils in acht dreieckige Grundstücksabschnitte eingeteilt waren und wo Apfelbäume, Joahinnisbeer-, Stachelbeer-, Himbeersträuche und Erdbeeren gediehen.

In den Dreiecken lagen noch die Blumenrabatten. Insgesamt gab es 849 Apfelbäume zu 34 Apfelsorten. Die Obstbäume wuchsen auch im sogenannten „Englischen Park". Auf dem Landgut bestand eine eigene Baumschule, wo die Setzlinge für Obstgarten- und Forstanpflanzungen gepflegt wurden.

Leo Tolstoi vergrößerte die Obstgartengesamtfläche von 10 auf 40 ha. Seine Frau erinnerte sich später, dass nach ihrem ersten gemeinsamen Ehejahr, „ein neuer großer Obstgarten angelegt wurde, der Tolstois Erstling als ihrem neugeborenen Sohn Sergius galt."

gardens2Tolstoi hat mehrere tausend Apfelbäume gepflanzt. Sie gewöhnten sich gut ein und machten das Gutsbild fein. Das Apfelsortensortiment war erlesen. Heutzutage gedeihen hier nach wie vor die Apfelsorten, die auch auf Marias Volkonska Gartenliste standen, seien es weißer Klarapfel, Frühapfel und Zimtapfel. Zu Tolstois Lebzeiten kamen noch die weiteren Antonapfel, Kalvill, Anisapfel und Rosmarinapfel hinzu. Seine Lieblingsapfelsorte war gelber Arkad. Insgesamt wurden hier mehr 30 verschiedene Apfelsorten gezüchtet.

Über die Apfelbäume hinaus wachsen hier immer noch viele Pflaumen- und Kirschbäume. An der Kornkammer und am Gewächshaus befanden sich früher die Beerenbeete und eine kleine Baumschule. Durch die o.a. Obst- und Beerenanpflanzungen wurde der Eigenbedarf der Gutsanwohner gedeckt. Die Obstgärten wurden permanent verpachtet, wobei sich die Tolstois einen Ernteteil vertraglich vorbehielten.

Zu den 1920er Jahren blieb nur ein Bruchteil der ehemaligen Obstgärten erhalten. Die ersten Wiederherstellungsaktivitäten übte hier Tolstois jüngste Tochter Alexandra Tolstoi als erste Museumsdirektorin von Jasnaja Poljana aus. In den 1930er Jahren erfolgte die erste Verkartung der Jasnaja Poljanaer Obstanpflanzungen.

gardens3Im Winter 1939-1940 kamen die Obstgärten unter Frostkälte stark zu Schaden, wobei fast 80% der alten Obstbäume zu Grunde gingen. Im Jahr 1948 setzte hier eine Gartenerneuerung ein. Allmählich wurde der Garten auf der gesamten ehemaligen Gutsfläche mit den Tolstois Lieblingssorten komplett ausgebessert. Bei deren Zucht wurde das Pfropfreis nur den Obstbäumen entnommen, die den harten Winter überstanden und somit frostbeständig waren. Allerdings sind die alten Tolstoi-Apfelbäume immer noch erträglich. Im Alten Garten des Tolstoi-Großvaters sieht man immer noch dessen altes Gartenhäuschen, das als Gutsapfellager diente.

Leo Tolstoi liebte seine Gärten. Von Kindheit an galten sie bei ihm als Inbegriff seiner Heimat, Familie, Lebensfreude und Schönheit. Das Gartenbild seiner Kindheit hat er in seiner Erzählung „Jünglingszeit" verewigt: „Wenn es bereits heiß wurde... ging ich oft in den Obst- oder Gemüsegarten und aß, was gerade reif war. Und diese Beschäftigung war für mich eins der schönsten Vergnügen. Da gerät man in den Apfelgarten oder mitten in das hohe, verwilderte, dichte Himbeergebüsch. Über sich hat man den hellen, glühenden Himmel, rings um sich das hellgrüne, stachlige Himbeergesträuch, zwischen dem das Unkraut wuchert. Dunkelgrüne Brennesseln mit dünnen, blühenden Spitzen recken sich ebenmäßig nach oben; ausladende Disteln wachsen mit dem unnatürlichen Violett ihrer stechenden Blüten unbekümmert über die Himbeersträucher und über meinem Kopf hinaus und reichen hin und wieder mit den Nesseln zusammen sogar an die gespreizten mattgrünen Zweige der alten Apfelbäume heran, auf denen, der Sonne trotzend, die glänzenden, runden, noch feuchten Äpfel heranreifen."
 
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